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Virtuelles FC-Magazin: Hochfilzen

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Weltcup-Luft und Baby-Freude

Endlich ist es wieder soweit. Das Jahr neigt sich dem Ende, es wird Winter in Europa und die Wintersportler kommen aus ihren Löchern. Lange habe ich mich auf die Eröffnung der neuen Biathlonsaison gefreut. Nun war ich endlich auf dem Weg ins österreichische Biathlon-Mekka Hochfilzen, wo der dritte Weltcup der Saison 2006 / 2007 stattfindet – Ersatzbedingt wohlgemerkt, da in Osrblie der Winter noch keinen Einzug gehalten hatte. Glück für mich, denn frisch von der Last meiner Magisterarbeit befreit, kann ich nun doch noch dem Live-Erlebnis Biathlon beiwohnen.

Das Biathlonstadion auf dem Bundesheergelände liegt in fantastischem Sonnenschein. Schnee ist Mangelware, es ist lediglich an einigen Stellen etwas weiß, aber das Wichtigste stimmt: die Loipe ist gut präpariert. Es ist Freitagnachmittag, gerade bin ich in dem kleinen verschlafenen Weltcuport angekommen. Es tat gut, sich nicht mit Menschenmassen den Weg ins Stadion bahnen zu müssen. Auf dem Parkplatz, wo ich mein Auto abgestellt habe, stehen gerade mal fünf weitere Autos. Fast schon hätte ich mich gefragt, ob man den heutigen Sprint vielleicht verschoben hat... Aber gut, Hochfilzen ist ja schließlich nur Ersatzort an diesem Wochenende…

Als ich dann so an der Strecke stehe, mich von der Sonne bescheinen lasse und die Weltcupluft einatme, freue ich mich unbeschreiblich hier zu sein und in aller Seelenruhe, ohne Gedrängel, Gequetsche und grölende Fans, das bevorstehende Rennen genießen zu können.

Und ich freue mich natürlich auf Uschi, bin sehr gespannt wie sie einen Monat vor der Geburt ihres Kindes aussieht. Kurz vor dem Rennen treffen wir uns dann auch schon am Stadiongebäude. Dick eingemummelt ist sie, ihre Jacke spannt ganz schön: „ Schau, es wird langsam eng in der Jacke!“ sagt sie zu mir und strahlt übers ganze Gesicht. Ihr geht es prima, denke ich mir und freue mich sehr darüber.

Während des Rennens bin ich viel an der Strecke, da kann man einfach besser anfeuern: „Hopp Molly!“, „Allez Sandrine!“, „Heja Anna Carin!“ Ich schieße viele Fotos und gehe erst gegen Ende des Rennens zurück auf die Stadiontribüne. Dabei beobachte ich dann mehr unsere schwangere Exbiathletin, als das eigentliche Renngeschehen. Denn es ist einfach schön zu sehen, wie sie mit ihren ehemaligen Teamkolleginnen fiebert, nach dem Rennen zu ihnen geht, mit ihnen quatscht und lacht. Wie immer, wenn man in den Zielraum schaut, denke ich mir.

Aber schlagartig wird mir bewusst, dass mir während des Rennens doch etwas gefehlt hat. Meine Anspannung fehlte komplett, ich war überhaupt nicht aufgeregt, und im Grunde war es mir auch ganz egal, wer das Rennen macht. Klar, habe ich mich für die Siegerinnen gefreut, vor allem über Sandrines ersten Treppchenplatz in der neuen Saison. Als Uschi mich später bei Kaffee und selbstgebackenen Keksen fragt: „Und, wie fandest Du’s heute?“, kann ich ihr nur antworten: „Es war schön, aber irgendwie kam ich mir etwas Fehl am Platze vor, denn es hat einfach etwas Entscheidendes gefehlt - Du!“ Sie lächelt nur und sagt: „Das kann ich mir vorstellen.“.

Nun, wir sind uns beide einig: Es ist ein sehr angenehmer Weltcup in Hochfilzen, ohne großes Brimborium und Massenansturm. Wir unterhalten uns über die Leistungen der Mädels und Uschi bedauert es fast, dass man im heutigen Rennen mit 3 Fehlern noch unter die ersten 10 kommen konnte. Wenn das mal vor einem Jahr so gewesen wäre… Es ist spannend, ihre Einschätzungen über die Leistungen der Mädels zu hören – ein kleines Fachgespräch mit einer Expertin!

Es ist schon weihnachtlich geschmückt in Uschis neuem Haus und es ist nicht zu übersehen, dass Uschi sich sehr auf ein ruhiges Weihachten zu Hause freut. Bei ihren Eltern feiern sie dieses Jahr, nachdem sie letztes Jahr bei Thomas in Schweden waren. Das verrät Uschi auch in einem eingespielten Interview im Stadion, in dem sie außerdem allen Zuschauern ein frohes Weihnachtsfest wünscht.

In ihrem Haus wuselt es aber trotz weihnachtlichem Ambiente noch kräftig. Ihr Bruder und seine Kollegen arbeiten fleißig am Obergeschoss. Ob denn das Kinderzimmer schon fertig ist möchte ich wissen? „Ach, “ meint Uschi, „Nee, es wird aber langsam Zeit, ich darf auch nicht vergessen, das Kinderbett zu bestellen!“ Am frühen Abend kommt dann auch Thomas nach getaner Techniker-Arbeit nach Hause. Die beiden sind wirklich ein schönes Paar. Und es ist toll zu sehen, wie sehr sie sich auf ihr Baby freuen: „Beim Rennen heute, ist es richtig mitgerannt!“ verkündet Uschi lächelnd und streichelt sich über ihren Kugelbauch.

Gegen Abend geht ein schöner Tag in Österreich für mich zu Ende. Ich verabschiede mich von Uschi, Thomas und Hündin Virus und mache mich auf den Weg nach München.

Für mich war ein wunderschöner Biathlon-Tag. Doch eines ist mir völlig klar, das Beste am heutigen Tag war nicht der Biathlonwettkampf oder die ruhige Atmosphäre auf dem Wettkampfgelände. Das Schönste war es eine glückliche Uschi zu und ein paar tolle Stunden mit ihr zu verbringen.